Ständige Ausstellungen

Ständige Ausstellung Markt 12 Ausstellung Horn- und Textilindustrie & Dorfbauernhof

Markt 12  

Tauchen Sie unter in der Geschichte des Hauses Markt 12 und erfahren Sie die Geschichten von Tante Riek, Onkel Jan Wikkerink und vielen anderen.

Das Untertauchermuseum “Nationaal Onderduikmuseum” erzählt vom (Über-)Leben einer Gemeinschaft in gewöhnlichen und ungewöhnlichen Zeiten. Das Museum zeichnet das Bild des täglichen Lebens von Bürgern in den Besetzungsjahren 1940-1945. Die Gemeinde Aalten beherbergte seinerzeit eine große Anzahl von Untergetauchten. Im Museum kann man die Geschichte der Menschen in der Kriegszeit interaktiv erleben.

Erfahren Sie, wie sich das tägliche Leben für diese Menschen völlig veränderte und vor welchen Entscheidungen sie standen. Beachten Sie, dass bei “gut oder böse” viele Nuancen möglich sind. Finden Sie heraus, wie schwierig es ist, Strom zu erzeugen und wie stickig es im Untertaucherversteck war. Suchen Sie nach den Geschichten von Menschen, die den Krieg selbst erlebt haben, und finden Sie den Bezug zu aktuellen Ereignissen.

Im Museum gibt es auch einen ‘Escaperoom für die Freiheit’. Wer diesen Escaperoom betritt, hat an der Tür mit seiner Freiheit bezahlt…. Im Escaperoom stehen Sie vor den Fragen und Dilemmata, vor die jeder gestellt wird, wenn er oder sie fliehen muss. Das Museum arbeitet mit anderen Museen auf euregionaler Ebene zusammen und verfügt über ein breites Bildungsangebot. Temporäre Ausstellungen vertiefen die verschiedenen Themen des Museums.

Sehen Sie sich hier eine kurze Tour durch Markt 12 an..

Lehrreich und spannend für jedes Alter!

https://www.youtube.com/watch?v=LOpHyZa0Kz4

Dorfbauernhof “Freriksschure”

Hinter den Gebäuden Markt 12 und 14, die sich direkt am Markt befinden, ist der alte sächsische Dorfbauernhof „Freriksschure“. Die Freriksschure (Freriks Scheune) verdankt ihren Namen Harmen Jan Freriks, „Heilerin und Hebamme“, die jahrelang in das Herrenhaus Markt 14 lebte und die Scheune als Kutschenhaus nutzte.

Seit 1985 ist der Raum als Landwirtschaftsmuseum eingerichtet, in dem Werkzeuge gezeigt werden, die um 1900 von Landwirten verwendet wurden. Die Untersammlung umfasst Werkzeuge für landwirtschaftliches Handwerk wie Milchverarbeitung, Hausschlachtung, Bodenbearbeitung und Ernte. Es wurden auch Werkzeuge eingerichtet, die einen Eindruck von dem Handwerk vermitteln, das eng mit dem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden war, wie z. B. eine Sattler-, Rad- und Holzschuhmacherei.

Es gibt Karren und Wagen zu sehen. Darüber hinaus wird gezeigt, welche Aktivitäten in der Heimindustrie durchgeführt wurden, beispielsweise die Verarbeitung von Flachs zu Leinen und die „Waschstraße“ (Waschen von Textilien). Schließlich wurden ein Wohnzimmer und ein Dachboden eingerichtet. Das Meisterwerk ist die Radmacherei, die in ihrer Vollständigkeit sehr selten ist.

Freriksschure

Hornindustrie

Aalten ist der einzige Ort in den Niederlanden, wo Produkte hergestellt wurden aus Büffelhorn, wie Pfeifenstiele, Kämme, Knöpfe, Signalflöten, Nadeletuis und Messerschäfte. Die Büffel wurden nicht speziell wegen des Horns getötet oder gezüchtet, sondern komplett verarbeitet. Selbst die Überreste wurden noch als Dünger auf den Äckern gebraucht. Mit dem Aufkommen von Kunststoffen und der Massenproduktion verschwand die Hornindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg.

Familienbande hatten einen starken Einfluß auf die Entstehung der Hornindustrie. Die fünf ersten Horndreher Aaltens, Bernard Vaags, Gerrit Peters, Abraham ten Dam, Willem te Gussinklo en Wessel Becking, begannen 1855 in Aalten.

Bernard Vaags begibt sich auf Wanderschaft und geht 1855 in Thüringen/Deutschland bei einem Horndreher in die Lehre. Nach seiner Rückkehr kauft er eine einfache Drehbank mit Fußpedalantrieb und gründet die allerersten Horndreherei. In einem Zimmerchen in der elterlichen Schuhmacherwerkstatt produziert er Teile für “Deutsche Pfeifen” aus Büffelhorn. Vaags heiratet Dora Prins, die Eigentümerin eines kleinen Geschäfts ist und ebenfalls Horndreherin wird. Sie wird fortan Pfeifen-Dörchen genannt.

Gerrit Peters, Sohn eines Ledergerbers, geht nach Bernard Vaags ebenfalls in Thüringen in die Lehre. Er arbeitet ab 1863 an der Hogestraat. Er heiratet die wohlgestellte Josina te Gussinklo und zieht 1872 nach der Heirat bei ihr ein. Das Gebäude erstreckt sich vom Markt über die Kostersbult bis an die Landstraat, wo Peters seine Hornwerkstatt einrichtet. Er produziert lange Pfeifenstiele und andere Teile für “Deutsche Pfeifen”. In Deutschland werden Porzellan-Pfeifenköpfe an den Stielen befestigt und die fertigen Pfeifen in den Handel gebracht.

Abraham ten Dam gründete im Jahre 1871 der Kammfabrik Ten Dam & Manschot an die Damstraat. Dies war die einzige Fabrik der Niederlande, die Kämme herstellte: weiße und schwarze Kämme, naturfarbene Zierkämme, mexikanische Kämme, Läuse- und Schnauzbartkämme. Ihre Herstellung ließ noch mehr Staub und Gestank entstehen wie die Pfeifenfertigung. 1920 arbeiteten hier rund 200 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder.

Willem te Gussinklo und Wessel Becking ernen die Tricks des Handwerks bei Gerrit Peters, mit dem sie kurze Zeit zusammenarbeiten.1884 trennen sie sich. Willem fertigt “Deutsche Pfeifen” und Handgriffe für Spazierstöcke und Schirme an. Schon bald tritt Willem jr. (Pfeifen-Willem) in die Firma ein, der sich zu einem innovativen Unternehmer entwickelt. Die Familie hat auch auf gesellschaftlicher Ebene großen Einfluss in Aalten. Nach dem Bruch in der Zusammenarbeit mit Willem te Gussinklo, macht sich W.J. Becking 1880 mit B.G Vaags, einem Neffen von Bernard Vaags, selbstständig. “Becking & Vaags” fertigen Pfeifenstiele und später auch Messerschäfte. Als der Verkauf von “Deutschen Pfeifen” zurückgeht, produziert die Firma auch kurze “Bruyère-Pfeifen”. Die Pfeifenfabrik in der Hoekstraat steht noch!

Johannes Peters verlässt das Haus und die Werkstatt seines Vaters an der Kostersbult und geht 1896 eine Partnerschaft mit Marcus Gans, einem jüdischen Kaufmann ein, der die PEGA (Peters & Gans) genannte Firma finanziert. Neben Peters’ Haus steht die Pfeifenfabrik an der damaligen Gasthuisstraat. Gefertigt werden neben “Deutschen Pfeifen” für Deutsche Reservisten auch Spazierstöcke mit Horngriffen. Nachdem die Pfeifenfabrik an der Haartsestraat 1917 komplett ausgebrannt ist, verlagert Peters seinen Betrieb zu die Admiraal de Ruyterstraat, wo nun statt “Deutschen Pfeifen” hauptsächlich “Bruyère-Pfeifen” gefertigt werden.

Pfeifenfabrik Peters & Gans

Dutch Button Works, Bredevoort

Willem te Gussinklo jr. konzentriert sich schon bald auf die Herstellung von Knöpfen. Wegen des explosiven Fabrik-Wachstums erfolgt 1924 der Umzug in die leerstehende Weberei Van Eijck in Bredevoort. Das Unternehmen “N.V. Dutch Button Works” (DBW) exportiert nach England, Irland und Amerika und ist das größte (Horn-verarbeitende) Unternehmen in Aalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Herstellung von Knöpfen aus Horn zurück. Im Jahre 1976 wurde diese letzte Branche der Horn-verarbeitung gezwungen, die Türen zu schließen. Das war das definitive Ende von 120 Jahre Hornindustrie in Aalten.

Textilindustrie

Das Entstehen der Textilindustrie ist eine Fortsetzung der langen Tradition häuslicher Handarbeit im Achterhoek und in Westfalen. Jahrhundertelang wurde Flachs angebaut, woraus auf den Bauernhöfen Leinen für die Anfertigung von Bettzeug und Kleidung gewebt wurde. In Aalten erinnern noch Namen von Bauernhöfen und Wegen daran (z.B. De Weversborgh/Der Weberort, De Bleke/Die Bleiche oder – wegen seines klaren Wassers – De Zilverbekendijk/ der Silberbachdeich).

Es bestand ein reger Handelsverkehr mit Firmen jenseits der Grenze (die hier einen wichtigen Absatzmarkt hatten). Als Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts die Einfuhrzölle erhöhte, gründeten deutsche Firmen Niederlassungen in den Achterhoek, wie z.B. die Gebr. Driessen und Peter Driessen & Sohn in Bocholt und Aalten.

Rund 140 Jahre lang (1826-1969) waren die Fabrikanten Driessen die wichtigsten Arbeitgeber in Aalten und Umgebung. Innerhalb der Familien arbeiteten Generationen von Männern, Frauen und (leider damals auch) Kindern bei einer dieser Firmen. Die Fabriken und Fabrikantenwohnhäuser waren durch ihren Stil und ihre Größe bildbestimmend in Aalten. Neben ihrer ökonomischen Bedeutung nahmen die Textilfabrikanten auch wichtige Positionen in der Politik, auf dem Schulsektor und in der Kultur ein.

GEBRÜDER DRIESSEN

Anton und Joseph, die Söhne Hermann Driessens, gründeten nach dem Tod des Vaters ca. 1817 in Bocholt die Firma ‘Gebrüder Driessen’. Sie übten ihr Geschäft – überwiegend Produktion von Bombasin, einem Gewebe aus Leinen und Baumwolle – grenzüberschreitend aus. Nachdem in Deutschland auf ausländische Gewebe ein Extrazoll erhoben wurde, gründete die Firma 1826 zur Umgehung der hohen Zölle mit Erlaubnis des niederländischen Königs eine Niederlassung in Aalten. Anton zog nach Aalten, während sein Bruder den Betrieb in Bocholt fortführte.

Anton baute in Aalten eine Handspinnerei für die vielen Weber, die in Heimarbeit für ihn arbeiteten, errichtete eine Bleicherei und ließ für sich ein prächtiges Wohnhaus mit Nebengebäuden bauen. Der Bombasinhandel von Anton Driessen wuchs im Laufe der Jahre zu einer Dampfspinnerei, die später noch um eine mechanische Weberei erweitert wurde. 1918 verkaufte sein Enkel Theodoor den Betrieb an Investoren aus Twente, die die Fabrik unter dem Namen ‚vorm. Gebr. Driessen’ fortsetzten. 1960 übernahm Wisselink’s Textielfabriken, Mitglied der Textiel Groep Twenthe, den Betrieb. Im Jahre 2002 schloss die Fabrik in Aalten ihre Tore und ging in deutsche Hände über, wodurch die Firma wieder an ihrem Ursprungsort zurückgekehrt war.

Spinnen von Flachs
Einrichten von Kettfäden von Spulen

PETER DRIESSEN & SOHN

Heinrich Driessen kam nach Aalten, um hier die Filiale der Bombasinfabrik Peter Driessen & Sohn zu führen. Peter Driessen war als 2. Bürgermeister eine wichtige Person im Bocholter Stadtrat. Driessens Absatzmarkt lag fast ausschließlich in den Niederlanden. Sie hatten viel Grundbesitz in Aalten und Varsseveld und besaßen seit 1826 eine Spinnerei in Groenlo. Schon schnell zeigte Heinrich Driessen sich als ein innovativer Unternehmer. 1832 arbeiteten rund 500 Leinenweber in Aalten und Umgebung für ihn. Drei Jahre später gehörte er gemeinsam mit Blijdestein in Enschede zu den größten Bombasinfabrikanten der östlichen Niederlande.

Zu seinen internationalen Kontakten gehörte auch Thomas Ainsworth, ein wichtiger Verfechter der Einführung von Dampfmaschinen und der maschinellen Produktionsweise. Ainsworth hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der Textilindustrie in Twente und dem östlichen Achterhoek. Als Heinrich Driessen 1832 die erste Dampfbleiche Ost-Gelderlands in Dale gründete, war er beteiligt. 1849 errichtete Heinrich Driessen in Aalten die erste Dampfspinnerei, die später um eine Dampf betriebene Weberei erweitert wurde. Als diese zehn Jahre später abbrannte, baute er den Betrieb nicht wieder auf, sondern verlegte sein Augenmerk auf Leiden, wo er die Textildruckerei und -färberei ‘De Heijder’ aufgekauft hatte.

SPUREN VON DER AALTENER TEXTILINDUSTRIE

1893 zieht sich Herman Driessen aus der Geschäftsleitung der Fa. Gebr. Driessen zurück und errichtet gemeinsam mit seinem Sohn Joseph die Fa. NV Stoomweverij Herman Driessen & Zoon (HDZ), eine moderne Dampfweberei mit 34 Webstühlen auf dem Gelände ‘Het Blik’ an der Hofstraat. Produziert werden Trikotagen wie z.B. Unterwäsche, Turnkleidung, Sweatshirts sowie Haushaltstextilien wie Tischdecken, Servietten, Hand-, Bade-, Glas- und Teetücher, Laken und Bettbezüge, zum Teil mit Zierrändern oder eingewebten Namen von Betrieben wie der Holland-Amerika-Linie und dem Nedlloyd. Die große Rauchwolke aus dem Schornstein der Fabrik und das Geräusch der Dampfpfeife sind Teil des täglichen Lebens in Aalten.

Die Blüte der Textilindustrie, die so lange bestimmend für das wirtschaftliche Leben im östlichen Achterhoek war, findet jedoch ein Ende. Beträgt der Anteil der Textilindustrie 1930 noch 45% der Gesamtindustrie, nimmt ihr Anteil nach 1950 schnell ab. Das definitive Ende der Web- und Trikotagen-Industrie kommt in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts durch zunehmende ausländische Konkurrenz und das Aufkommen von Massenproduktion und Konfektion. 1969 muss auch HDZ schließen. Das Fabrikgebäude an der Hofstraat ist glücklicherweise erhalten geblieben und wurde 2015 einer neuen Bestimmung zugeführt.

NV Stoomweverij Herman Driessen & Zoon, 1951