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Bombardierung Dale | 8. Februar 1945

Am Donnerstag, den 8. Februar 1945, wurde die Bauerschaft Dale bei Aalten von einer verheerenden Bombardierung erschüttert. Während Gerüchte über das nahende Ende des Zweiten Weltkriegs für Hoffnung sorgten, schlug das Schicksal zu. Elf Menschen, darunter kleine Kinder und Untergetauchte, kamen ums Leben.

Ein fataler Irrtum

An diesem Tag warfen dreiunddreißig amerikanische B-26 Marauder-Bomber ihre tödliche Last über Elshoek und Grevink ab. Vermutlich glaubten die Piloten beim Abwurf der Bomben, sich noch über deutschem Staatsgebiet zu befinden. In dem Gebiet standen Scheunen und ein Schornstein der Bleicherei Driessen. Möglicherweise wurde dies für deutsche Industrie gehalten. Ein Irrtum mit katastrophalen Folgen…

Chaos und Todesnot

Die hunderte abgeworfenen Splitterbomben säten Tod und Verderben. Die vielen Splitter flogen horizontal über den Boden, und zahlreiche Menschen und Tiere wurden von den Scherben getroffen. Es war eine schockierende und bizarre Szenerie. Die Bestürzung war groß, das Elend unermesslich. Eine Kakofonie aus unmenschlichem Schreien und Brüllen von Mensch und Tier in Angst und Todesnot. Überall lagen zerfetzte Pferde, Kühe, Schafe, Hühner und Gänse. Einige Tiere lebten noch und mussten an Ort und Stelle von ihrem Leiden erlöst werden.

Rettungsdienste, Ärzte und Krankenschwestern wurden sofort in das Katastrophengebiet beordert. Die medizinische Erstversorgung fand notgedrungen auf dem Feld statt. Verletzte wurden direkt im Schlamm behandelt. Auf Leitern, Handkarren und Pferdewagen wurden die Verwundeten zum Haus „Avondvrede“ an der Hogestraat gebracht. Die Schwerverletzten wurden anschließend in das Notkrankenhaus in Harreveld transportiert.

Getroffene Bauernhöfe

Die Bombardierung forderte letztlich elf Menschenleben und hinterließ mehrere Personen mit lebenslangen Behinderungen. Die Auswirkungen auf bestimmte Familien und Höfe waren enorm:

  • ’t Olde Nooitgedacht (Fam. Neerhof): Der Untergetauchte Joop de Rhoon (18) aus Rotterdam wurde tot in der Küche aufgefunden.

  • De Gliewe (Fam. Hogenkamp): Tochter Anna (22) und die Söhne Herman (15) und Jozef (6) kamen hier ums Leben. Die Familie hatte erst ein halbes Jahr zuvor den Sohn Johan (17) an Diphtherie verloren.

  • Beekenhuus (Fam. te Grootenhuis): Dieser Hof wurde vollständig zerstört. Vier Opfer waren hier zu beklagen: die Kinder Arie (12) und Teun (10) te Grootenhuis sowie die untergetauchten Brüder Hendrik (33) und Gerrit (26) Stronks.

  • ’t Nooitgedacht (Fam. Eppink): Der aus Scheveningen stammende Untergetauchte Mink van der Harst (25) wurde draußen tödlich von Granatsplittern getroffen.

  • Bauernhof Fam. Brus: Der 62-jährige Gerrit Brus starb sofort. Seine Frau Sientje Brus-Stronks (63) starb wenige Tage später im Notfallkrankenhaus in Harreveld an ihren Verletzungen.

Opferliste und Friedhöfe:
  • Anna Hogenkamp (22) – Kath. Friedhof Piet Heinstraat, Grab Nr. A13
  • Herman Hogenkamp (15) – Kath. Friedhof Piet Heinstraat, Grab Nr. A13
  • Jozef Hogenkamp (6) – Kath. Friedhof Piet Heinstraat, Grab Nr. A13
  • Arie te Grootenhuis (12) – Alter Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab Nr. 68
  • Teun te Grootenhuis (10) – Alter Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab Nr. 68
  • Hendrik Stronks (33) – Alter Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab Nr. 570
  • Gerrit Stronks (26) – Alter Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab Nr. 570
  • Joop de Rhoon (18) – Friedhof Berkenhove, Grab Nr. 370
  • Mink van der Harst (25) – Friedhof Berkenhove, Grab Nr. 371
  • Gerrit Brus (62) – Friedhof Berkenhove, Grab Nr. 372
  • Sientje Brus-Stronks (63) – Friedhof Berkenhove, Grab Nr. 372
Denkmal

Kurz nach der Tragödie stapelte Jan te Grootenhuis, der zwei kleine Brüder verloren hatte, Steine aus den Fundamenten des zerstörten Hauses der Familie Hogenkamp als provisorisches Denkmal auf. Jan emigrierte in den fünfziger Jahren nach Kanada, kehrte aber regelmäßig nach Dale zurück.

Als er Dale 1987 erneut besuchte, entdeckte er, dass „sein“ Denkmal während der Flurbereinigung verschwunden war. Die Steine waren von Nachbarn in Sicherheit gebracht worden. Kurz darauf wurde die Initiative für ein dauerhaftes Denkmal ergriffen. 1988 enthüllte Jan te Grootenhuis das bleibende Gedenkzeichen an der Ecke Grevinkweg und Aladnaweg, wobei Bürgermeister Tijmen Bouwers den ersten Kranz niederlegte.

Quellen:
  • Als ik ze maar eens weer kon zien (Hans de Beukelaer)
  • Aalten in Oorlogstijd (J.G. ter Horst)
  • Er op of er onder (G.W. Vaags)
  • Kriegstagebuch Peter van Essen
  • Interview Karel Aversteeg (Louis Veldhuis und Gerrit Nijman)
  • © Sammlung Nationaal Onderduikmuseum Aalten
Gerrit und Sientje Brus-Stronks

Gerrit Brus (62) und Sientje Brus-Stronks (63)

v.l.n.r. Jozef, Maria, Herman, Johan, Anna und Lies Hogenkamp

Anna Hogenkamp (22), Herman Hogenkamp (15), Jozef Hogenkamp (6)

Mink van der Harst

Mink van der Harst (25)

v.l.n.r. Jan, Arie und Teun te Grootenhuis

Arie te Grootenhuis (12) und Teun te Grootenhuis (10)