Wer war Nita wirklich?

Übergabe des Mustertuchs von „Nita Visser“ (Anita Waisvisz) an das Nationaal Onderduikmuseum im Jahr 2010.
Die surinamische Nichte
Im September 1942 kam die achtjährige Anita Waisvisz in die Familie der Witwe Hendrika (Riek) Heinen-Rots in Aalten. Obwohl Riek seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 1934 drei kleine Kinder allein mit einer kargen Rente großzog, zögerte sie keinen Moment, das jüdische Mädchen aufzunehmen.
Um die Außenwelt zu täuschen, wurde Anita als surinamische Nichte ausgegeben, die aufgrund der Kriegsumstände nicht nach Hause zurückkehren konnte. Sie wurde vollständig in die Familie aufgenommen und wurde unzertrennlich von ihrem „Bruder“ Henk und ihren „Schwestern“ Dien und Annie. Ihre eigene Schwester Elizabeth war an einem anderen Ort untergetaucht.
Leben unter einem Dach mit dem Feind
Die Umstände im Hause Heinen waren alles andere als einfach. In der letzten Phase des Krieges wurde die Situation lebensgefährlich, als zwei deutsche Soldaten in der Wohnung einquartiert wurden. Trotz der Anwesenheit des Feindes im Haus und der Tatsache, dass Anita ein deutlich jüdisches Aussehen hatte, hielt Riek sie sicher verborgen. Neben Anita bot Riek auch zwei niederländischen Männern Unterschlupf, die vor dem Arbeitseinsatz in Deutschland geflohen waren.
Das Mustertuch von „Nita Visser“
Während ihrer Zeit im Versteck besuchte Anita die Wilhelminaschool. Im Handarbeitsunterricht stickte sie ein Mustertuch, um ihr Können zu zeigen. Auf dem Stoff prangte jedoch nicht ihr eigener Name, sondern ihr Deckname: Nita Visser.
Eine tragische Nachricht
Eines Tages erhielt Anita Besuch von ihrer Schwester Elizabeth mit einer herzzerreißenden Nachricht: Ihre Eltern waren am 28. Mai 1943 von den Nazis ermordet worden. Ihr Vater kam in Sobibor ums Leben und ihre Mutter in Auschwitz. Da sie nun Waise war, blieb Anita noch bis 1947 bei der Familie Heinen wohnen. Zwei Jahre nach der Befreiung wurde sie einer jüdischen Organisation übergeben, woraufhin sie 1950 nach Israel auswanderte.
Anerkennung und bleibende Freundschaft
Die Bindung zwischen der Pflegefamilie und Anita blieb ihr Leben lang bestehen; bis zum Tod von „Schwester“ Dien im Jahr 2019 hatten sie wöchentlich telefonischen Kontakt. Für ihren außergewöhnlichen Mut wurde Hendrika Heinen-Rots 1982 von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt. Im Mai 2010 schenkte Anita ihr besonderes Mustertuch dem Nationaal Onderduikmuseum (National Museum of Hiding and Resistance).






