Frans Brouwer: Cartoons als Widerstand
Einzigartige Comics und Satire während der deutschen Besatzung
„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Diese Redewendung war selten so treffend wie bei dem Werk von Frans Brouwer (1906–1964). Während des Zweiten Weltkriegs nutzte dieser Radiotechniker seinen Bleistift als Waffe. Unter dem Titel „Krabbels en Klodders“ (Kritzeleien und Kleckse) bot er mit beißendem Spott ein Gegengewicht zur erstickenden Propaganda der Besatzer.
Zwischen dem 18. April 1944 und dem 10. Mai 1945 füllte Frans Brouwer in seinem Wohnort Voorburg sein Skizzenbuch mit insgesamt 33 Bildergeschichten. Brouwer, der als Radiotechniker bei Siemens arbeitete, lieferte in diesen Zeichnungen einen scharfen Kommentar zum Leben unter der Besatzung.
Das Manuskript stellt ein einzigartiges Zeitdokument dar. Die 33 illustrierten, zweiseitigen Briefe behandeln ein breites Spektrum an täglichen Entbehrungen: von der NSB und den Razzien für den Arbeitseinsatz bis hin zu den deutschen Beschlagnahmungen von Gütern und den erfinderischen Wegen, sich während des kalten Hungerwinters mit Notöfen warm zu halten. Auch große militärische Wendepunkte wie der D-Day und die schließliche Befreiung fanden ihren Platz in seinen satirischen Comics.

Frans Brouwer – Krabbels en Klodders, 6. September 1944
Gefährliches Vergnügen
Obwohl die Cartoons voller Humor steckten, war ihre Erstellung lebensgefährlich. Die Briefe, die von und an fiktive Personen adressiert waren, wurden während des Krieges nie abgeschickt; sie durften unter keinen Umständen in falsche Hände geraten. Brouwer war sich des Risikos durchaus bewusst und sagte dazu: „Ich glaube nicht, dass man bei der NSB meinen Humor teilt.“
Sein Widerstand war kühn und visuell genial. Ein bekanntes Beispiel ist eine Postkarte, auf der Adolf Hitler auf einer Toilette sitzend dargestellt ist; durch eine bestimmte Falttechnik der Karte entstand ein spöttisches Bild. Der historische Wert dieses Werkes wurde schon früh von dem bekannten Historiker Dr. Loe de Jong erkannt. 1951 schrieb De Jong persönlich an Brouwer:
„Ich kenne keine Arbeit, die gelungener ist als die Ihre und die bessere Beispiele für unverfälschten Humor aus der Besatzungszeit enthält. (…) Ihr Werk gehört in eine nationale Sammlung.“
Der Weg an die Öffentlichkeit
Erst nach der Befreiung trat Brouwer mit seinem Werk an die Öffentlichkeit. Trotz des Lobes von De Jong erwies es sich damals als schwierig, einen Verleger zu finden – offiziell wegen eines Mangels an Papier und Tinte. Frans Brouwer starb 1964, ohne dass sein Manuskript veröffentlicht worden war.
Die Zeichnungen blieben jahrzehntelang im Familienarchiv liegen, bis der Enkelsohn seiner Schwester die Kraft der Cartoons wiederentdeckte. Dank seines Einsatzes wurde die Sammlung 2010 vom Matrijs-Verlag in Buchform herausgegeben, wodurch die „Krabbels en Klodders“ von Frans Brouwer achtzig Jahre später nichts an ihrer Aussagekraft verloren haben.
Propaganda und Gegenkraft
Das Werk von Brouwer steht symbolisch für den bürgerlichen Mut in einem öffentlichen Raum, der damals von der Nazi-Propagandamaschine dominiert wurde. Der Widerstand antwortete auf die feindlichen Parolen mit heimlich geklebten Flugblättern und beißendem Spott. Die Geschichte von Evert Smilda, der als kleiner Junge seinem Vater beim Kleben dieser Zettel helfen musste, veranschaulicht, wie die Bürger Rückgrat bewiesen. Das Werk von Frans Brouwer bildet die künstlerische Krönung dieses bürgerlichen Widerstands.
Buchtipp
Das Werk von Frans Brouwer ist in einem wunderschön illustrierten Buch erhältlich: „Bezetting in Beeld – Het beeldverhaal van Frans Brouwer“ (Matrijs-Verlag). Es berichtet über die Kriegszeit und das Leben des Zeichners selbst. Es ist eine zeitlose Hommage an die Kraft des Humors und eine Empfehlung für alle, die an kreativem Widerstand interessiert sind.

Die Besatzung in Bildern – Der Bildband von Frans Brouwer, 1944–1945






