Bombardierung Dijkstraat | 24. März 1945
Am Samstagnachmittag, den 24. März 1945, kurz vor der Befreiung, wurde Aalten von einem schweren Luftangriff getroffen. Englische Bomber führten gegen 13:30 Uhr einen Angriff durch, bei dem die Fabriken an der Dijkstraat das Hauptziel bildeten. Die Verwüstung im Dorf war enorm und das menschliche Leid groß.
Am Samstag, den 24. März, tauchten über Aalten plötzlich Flugzeuge mit heulenden Motoren herab. Fast unmittelbar darauf hörte man das pfeifende Geräusch fallender Bomben. Die Fabriken an der Dijkstraat waren das Ziel. Ein Teil der Textilfabrik und das Büro von Driessen wurden bombardiert. Auch die Fabrik der Aaltener Trikotagenfabrik (ATF) verwandelte sich in einen Trümmerhaufen. Von der Brücke an der Dijkstraat bis hin zur Bahnlinie wurden Häuser völlig zerstört, andere erlitten sehr schwere Schäden. Die Folgen waren schrecklich. Es waren mindestens achtzehn oder neunzehn Todesopfer zu beklagen. Die genaue Anzahl ist bis heute nicht bekannt.
Beim Schmied Umbach wurde der Keller, in dem Vater Umbach (43) und drei seiner Kinder (13, 10 und 5) Schutz gesucht hatten, von einem Volltreffer getroffen. Alle kamen ums Leben. Die Mutter der Familie und ein weiterer Sohn überlebten nur knapp, indem sie unter einen Tisch in der Küche krochen. Etwas weiter entfernt kamen das Ehepaar Te Linde-Wechelaar (beide 68 Jahre) und ihr 40-jähriger Sohn ums Leben. Bei Koelman starben der Vater (55) und die Tochter (20). Auch J.H.A. Tepe (50), M.C.J. Leemhorst (34), A. Lamers (73), S.J. Kamphuis (15) und J.H. van Mechelen (15) gehören zu den Opfern. Des Weiteren drei Evakuierte, namentlich C. van Ingen (79) und C.H. Stokking (25). In der Aaltensche Courant vom 4. Mai 1945 und in dem Buch „Er op of er onder“ werden noch drei weitere Opfer genannt: M.J. Praster-Polman (28), Klazina Ros (38) und ein gewisser G.A. van der Meulen (44).
Es gab auch viele Verletzte. Die herbeigeeilten Hilfsdienste des Roten Kreuzes und des Luftschutzes hatten alle Hände voll zu tun, um die Toten zu bergen und Überlebende aus den Trümmern zu befreien. Bomben fielen auch in der Boomkampstraat, Stationsstraat, De Wheme, Kerkstraat, Hofstraat, Hogestraat, Molenstraat und am Varsseveldsestraatweg. Südlich der Bahnlinie, an der Parallelweg und Koopmanstraat, wurden Gebäude beschädigt.
Zeugenbericht Jan Klompenhouwer
Ein Ereignis, das einen großen Eindruck hinterließ, ereignete sich in der letzten Kriegswoche: die Bombardierung am Samstagnachmittag, dem 24. März 1945 um halb eins durch englische Bomber. Während des Bombenangriffs waren wir in dem Unterschlupf, den mein Vater und mein Onkel Bernard gegraben hatten. Die Nachbarn, die Familie Visser, waren ebenfalls in unserem Keller, weil dort Grundwasser war. Im Nachhinein war das eine gute Sache, denn eine Bombe fiel in ihrem Keller und nichts stand mehr. In unserem Keller fiel die erste Bombe genau hinter dem Keller und die nächste genau vor dem Keller. Beide Eingänge waren eingestürzt. Wir mussten ausgegraben werden.
Es herrschte Panik und totale Verzweiflung in diesem Moment und auch kurz darauf, beim Anblick des Trümmerhaufens, der von unserem Haus übrig geblieben war. Als Kind achtet man auf die Emotionen der Erwachsenen. Wenn sie in totaler Verzweiflung sind, übernimmt man als Kind etwas davon. Mein ältester Bruder Bertus war nicht bei uns im Keller, sondern hatte Schutz unter einem Vordach gesucht. Dieses Vordach war eingestürzt, aber glücklicherweise blieb er unverletzt. Es war eine große Erleichterung, ihn lebend wiederzusehen.
Bei diesem Bombenanschlag wurden viele Menschen in unserer Nachbarschaft getötet, sowohl Anwohner als auch Evakuierte und Menschen im Versteck. Später hieß es, die Driessen-Textilfabrik in der Dijkstraat sei das Ziel gewesen, da vermutet wurde, dass dort Munitionsvorräte gelagert wurden. Das Tor wurde verpasst, aber in der Dijkstraat war das Chaos sehr groß.
An diesem Tag wurden viele Nachbarn getötet, darunter mehrere Kinder in meinem Alter. Der Sohn Freek aus der Familie Umbach war bei diesem Anschlag ums Leben gekommen. Das war schrecklich und hat einen großen Eindruck hinterlassen. Er war ungefähr im gleichen Alter wie ich. Und ich war immer noch da. Unser Haus war so stark beschädigt, dass wir dort nicht mehr wohnen konnten.
Bomben in Barlo
Am Meinenweg in Barlo fielen an diesem Nachmittag ebenfalls Bomben. Dabei kam eine unbekannte Anzahl Deutscher ums Leben. B.H. Ebbers (77) wurde von Granatsplittern getroffen und verstarb zwei Tage später an seinen Verletzungen. Am Abend wurden im Dorf noch viele durch explodierende Blindgänger und heftige Brände aufgeschreckt. Nach diesem schwarzen Samstag verließen viele das Dorf und suchten Unterkunft auf Bauernhöfen in den Bauerschaften.
Alle Opfer wurden (teils vorübergehend) auf verschiedenen Friedhöfen in Aalten beigesetzt.
Opferliste Dijkstraat Aalten:
Heinrich Friedrich Umbach (43) – Friedhof Berkenhove, Grab A/0002
Frieda Elisabeth Umbach (13) – Friedhof Berkenhove, Grab A/0002
Bernardus Wilhelmus Umbach (10) – Friedhof Berkenhove, Grab A/0002
Friedricus Hubertus Umbach (6) – Friedhof Berkenhove, Grab A/0002
Stevina Johanna Kamphuis (15) – Friedhof Berkenhove, Grab 607
Jan Hendrik A. van Mechelen (15) – Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab 144
Johan Friedrich te Linde (68) – Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab 211
Carolina Gerharda te Linde (68) – Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab 211
Johannes Lambertus te Linde (40) – Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab 211
Catharina van Ingen (79) – Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab 211
Catharina Hendrika Stokking (25) – Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab 211
Klazina Ros (38) – Friedhof Varsseveldsestraatweg, Grab 1127
Anton Lamers (73) – Friedhof Piet Heinstraat, Grab v B r 13-13
Maria Johanna C. Leemhorst (35) – Friedhof Piet Heinstraat, Grab v B r 14-2
Hermina Maria G. Koelman (20) – Friedhof Piet Heinstraat, Grab v B r 14-4
Henricus Wilhelmus Koelman (55) – Friedhof Piet Heinstraat, Grab v B r 14-4
Johannes Hendrikus A. Tepe (50) – Friedhof Piet Heinstraat, Grab v D r. 6-1
Gerrit A. van der Meulen (44) – Grab unbekannt
Maria Johanna Praster-Polman (28) – Grab unbekannt
Opfer Barlo:
Berend Hendrik Ebbers (77) – Friedhof Berkenhove, Grab 386
Quellen:
- Aaltensche Courant, 4. Mai 1945
- Aalten in Bezettingstijd. Autor B. de Joode
- Er op of er onder: Aalten, het land der onderduikers en illegaliteit. Autor G.W. Vaags
- Aalten in Oorlogstijd. Autor J.G. ter Horst
- Research: Louis Veldhuis © Kollektion Nationaal Onderduikmuseum








