Die Tragödie von Frits und Amalia Landau-Lorch
Frits Landau (* 28. Nov. 1905 – † Nov./Dec. 1943, Aalten)
Amalia Landau-Lorch (* 20. Dec. 1902 – † Nov./Dec. 1943 Aalten)
Frits Landau wurde am 28. November 1905 als zweites Kind von Louis Landau und Telza Kan geboren (geheiratet am 9. September 1903). Er hatte einen älteren Bruder, Ernst Eduard (geboren am 2. Juni 1904); zwei weitere Kinder der Familie starben in jungem Alter. Vater Louis Landau hatte vor seiner Heirat zehn Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht und dadurch die amerikanische Staatsbürgerschaft erworben. Nach dem Tod der Eltern (Louis 1928 und Telza 1934) kamen beide Brüder aufgrund dieses Staatsrechts ebenfalls für die amerikanische Nationalität in Betracht.
Als die Kriegsgefahr für die Niederlande Anfang 1940 zunahm, rieten die Vereinigten Staaten ihren Staatsbürgern, das Land zu verlassen. Ernst Eduard machte von diesem Recht Gebrauch und reiste nach Amerika aus. Seine Frau Paulina (Paula) Philips und ihr Sohn Louis folgten ihm später nach großen Schwierigkeiten durch einen Gefangenenaustausch. Frits entschied sich jedoch, in den Niederlanden zu bleiben.
Leben in Aalten
Frits Landau, von Beruf Handelsreisender, war als Freigeist bekannt. Er handelte hauptsächlich mit Vieh, sowohl in der Umgebung von Aalten als auch über die Grenze in Deutschland. Er wohnte an der Heurne 33 (heute Bocholtsestraatweg 70). Frits ließ gerne „die Puppen tanzen“. Er hatte den Ruf eines Schürzenjägers und war einem Gläschen nicht abgeneigt.
Am 20. Juni 1942 verlobte sich Frits mit Amalia Sara Lorch (geboren am 20. Dezember 1902 in Bocholt). Das Paar heiratete kurz darauf am 6. August 1942. Am 17. März 1943 wurde im Melderegister von Aalten vermerkt, dass Frits mit unbekanntem Ziel abgereist war. Auffallend ist, dass Amalia nicht im Melderegister eingetragen war.
Untertauchen und Konflikt
Nach der Hochzeit zog das Ehepaar zur Familie Schaap an ‚t Dal 8 (heute ‚t Dal 1). Nicht lange danach tauchten sie unter auf dem Bauernhof der Familie Bauhuis in Dale (Welinkweg 4), wo auch andere Untergetauchte lebten. Das Leben im Untergrund fiel Frits schwer. Er war unruhig, schwierig und stellte ständig Forderungen. Unter anderem durch seine Sucht nach Alkohol und nach, wie er es selbst nannte, „frischem Frauenfleisch“, trieb er die Familie Bauhuis zur Verzweiflung. Als Frits mehrmals drohte, alles zu verraten, wurde die Situation unhaltbar und Bauhuis wollte ihn loswerden.
Im Sommer 1943 wurden Frits und Amalia auf den Bauernhof „De Moâte“ der Familie Van Eerden (Aladnaweg 9) verlegt. Hier trafen sie den jungen Sallo van Gelder, der nach einer wunderbaren Flucht vor der Deportation vorübergehend bei der Familie lebte. Amalia stickte ein Taschentuch für ihn, eine Reliquie, die Sallo bis heute aufbewahrt hat. Doch auch bei der Familie Van Eerden sorgte Frits durch sein unberechenbares Verhalten und wiederholte Drohungen mit Verrat weiterhin für Probleme. So konnte es nicht weitergehen. Es wurde mit dem Widerstand darüber gesprochen, was mit ihm geschehen solle, aber man kam zu keinem Urteil.
Liquidation
Einige Männer aus der Illegalität beschlossen schließlich, selbst einzugreifen. Eines Abends Ende November oder Anfang Dezember 1943 wurden Frits und Amalia abgeholt und an einen Ort in der Nähe des Vragenderwegs in Barlo gebracht. Dort wurden Frits und Amalia liquidiert und begraben. Trotz diverser Suchversuche wurde ihr Grab bis heute nicht gefunden.
Gedenken
In Aalten wurden zum Gedenken an Frits und Amalia Landau-Lorch Stolpersteine vor dem Haus ‚t Dal Nr. 1 verlegt.
Bemerkenswert:
Im benachbarten Bocholt (D) wurde an der Ostmauer Nr. 3 ebenfalls ein Stolperstein für Amalia verlegt. Hier wird ihr Name als Aurelia Landau (geb. Lorch) angeführt, geboren 1902, geflohen nach Holland und verstorben 1943. An derselben Adresse liegt ein Stolperstein für Ruth Lorch (vermutlich ihre Tochter), geboren 1923 und 1942 deportiert und ermordet in Izbica (Polen).
Quellen:
- Zij waren Aaltenaren als wij… , Autoren: Hans de Beukelaer und Jessie Jongejans
- De Joodse gemeente in Aalten, Autor: Peter Lurvink
- ’t Ruwhof, hoo ut d’r hear ging, Autor: G.H. van Eerden
- Aalten in Oorlogstijd, Autor: J.G. ter Host
- Aalten in Bezettingstijd, Autor: B. de Joode
- Stolpersteine Bocholt (D), Wikipedia










