Wo ist mein Personalausweis geblieben?

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Wo ist mein Personalausweis geblieben? – so Huig Elias de Jong

Huib (98) kehrt zu seinem Versteck zurück mit einer Frage: Wo ist mein Personalausweis geblieben?

Er steigt aus dem Auto, blickt sich um und zeigt dann ohne Zögern auf ein Stück Land. „Dort war es ungefähr.“ Huib de Jong mag zwar seit Jahren nicht mehr in Aalten gewesen sein, doch der 98-Jährige erkennt die Stelle, an der er als 16-jähriger Junge untergetaucht war, sofort.
De Jong ist in dem Ort im Achterhoek wegen einer Suche, die ihn schon seit Jahren beschäftigt. Irgendwo hier liegt oder lag sein Personalausweis.
Er gab ihn während des Zweiten Weltkriegs beim Widerstand ab, nachdem er aus dem Westen geflohen war. Seitdem hat er das Dokument nie wieder gesehen. „Ich möchte wissen, wo es geblieben ist.“

„Deutsche fuhren aufs Meer hinaus, um Ziele zu vernichten“
Die Geschichte von De Jong beginnt in IJmuiden. Dort wächst er auf und geht zur Schule. Bis die Deutschen seine Schule beschlagnahmten. De Jongs Vater entscheidet, dass es gut für ihn sei, arbeiten zu gehen. So landet er als 15-jähriger Junge auf einer Schiffswerft.
Er weiß noch genau, wie es dort zu jener Zeit zuging. Im Hafen liegen schnelle deutsche Boote, ausgestattet mit Abschussrohren für Torpedos. „Die Deutschen fuhren aufs Meer hinaus Richtung England, um dort Ziele zu vernichten. Sie kehrten zurück und stellten fest, dass einige ihrer eigenen Boote beschossen worden waren.“
De Jong muss an den beschädigten Fahrzeugen arbeiten, doch das gelingt ihm nicht.
Kurz darauf ertönt eine Warnung von einer Frau aus dem Widerstand: „Ich komme dich holen, du musst hier weg“, erzählt De Jong. Sie setzt ihn in den Zug nach Aalten, wo er ein Versteck am Gandvoortweg bekommt. Der Ort, an dem er schließlich bis zum Ende des Krieges bleibt.

„Sie wurden oft an Juden ausgegeben“
Das Leben als Untertaucher ist schwer. Bei Gefahr muss De Jong fliehen. Sein Versteck ist ein Raum unter der Erde, mit gerade genug Platz für ein paar Menschen. „Es war nass, feucht und eng mit Strohbetten“, erinnert sich De Jong.
Seinen Personalausweis gibt er in jener Zeit bei Jan Prinsen vom Bauernhof Hunink ab. „Sie brauchten ihn für den Transport von Männern an andere Orte“, lautet die Erklärung, die De Jong damals erhält. Er besucht auch das Nationaal Onderduikmuseum in Aalten in der Hoffnung, mehr über den Verbleib der Papiere zu erfahren.

Der Geschichtsliebhaber und Aaltener Gerrit van Eerden erklärt ihm im Museum, was wahrscheinlich mit seinem Ausweis passiert ist: „Sie wurden oft an Juden ausgegeben.“ Durch die Nutzung fremder Personalausweise konnten Juden freier reisen. Ihr eigener Personalausweis war auf der Vorder- und Rückseite mit einem großen „J“ bedruckt. Die Chance, dass das Dokument von De Jong noch existiert, schätzt Van Eerden als gering ein. „Sie wurden manchmal auch vernichtet.“

Kein Personalausweis, aber ein Foto
Frouke Harmsen vom Nationaal Onderduikmuseum bestätigt, dass der Personalausweis in Aalten nicht gefunden wurde. Aber sie hat etwas anderes für De Jong. „Wir haben ein Buch über Barlo, in dem Sie vorkommen. Das schicken wir Ihnen zu.“ In diesem Buch befindet sich ein Foto eines jungen Huib de Jong, 16 oder 17 Jahre alt, der seinen Kopf aus dem Versteck streckt.

Nach der Befreiung von Aalten durch die Engländer meldet sich De Jong bei der Marinebrigade in Groenlo. Er ist damals 17 Jahre alt. „Ich musste meinen Personalausweis vorzeigen und meine Eltern um Erlaubnis bitten. Aber ich hatte diesen Ausweis nicht mehr. Ich habe daher einfach gesagt, dass ich 18 sei und meinen Personalausweis im Widerstand benutzt hätte.“ Es klappt. Der Offizier gibt ihm die Erlaubnis, sich anzumelden. Schon am nächsten Tag bricht er mit einer großen Gruppe von Bewohnern aus dem Achterhoek nach England und Schottland zur Ausbildung als Marinesoldat auf.

Liebe auf den ersten Blick
Im Jahr 1950, nachdem er auch drei Jahre in Indien verbracht hatte, kehrt De Jong nach IJmuiden zurück. Auf der Straße erkannte ihn eine ehemalige Klassenkameradin: Atie van Wolferen. Sie lud ihn zum Tee bei ihren Eltern ein. Es wurde Liebe auf den ersten Blick. Sie heirateten noch im selben Jahr, bekamen einen Sohn und später Enkelkinder und blieben fast siebzig Jahre verheiratet, bis sie verstarb.
Nun hat Huib de Jong seinen Personalausweis zwar nicht wiedergefunden. Aber was er hat, ist ein Leben voller Geschichten. Was er daraus gelernt hat? „Nüchtern bleiben.“

Quelle: De Gelderlander – Vera Moison. Foto: © Jan Ruland van den Brink

Huig Elias de Jong oder Huib van 't Gantvoort

Henk de Jong (Huig Elias) oder Huib van ‚t Gandvoort, wie er während der Zeit als Untertaucher genannt wurde. © Jan Ruland van den Brink

Der 98-jährige Huib de Jong im Gespräch mit Martin Meijerink beim Bauernhof am Gandvoortweg in Barlo, seinem Versteck.
© Jan Ruland van den Brink