Hendrik Jan Wikkerink („Ome Jan“)
Widerstandsführer und Bezirksleiter der LO Aalten
Hendrik Jan Wikkerink wurde am 30. Juni 1896 in Aalten als ältester Sohn einer reformierten Familie geboren. Sein Vater, Berend Hendrik Wikkerink, war Maurer, und seine Mutter hieß Engelina te Boveldt. Gemeinsam hatten sie drei Söhne und vier Töchter. Am 7. April 1921 heiratete er Dela Gesina Eppink. Das Ehepaar ließ sich in der Patrimoniumstraat 12 in Aalten nieder, wo Wikkerink seinen Beruf als Bauunternehmer ausübte.
Widerstand während des Zweiten Weltkriegs
Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich Wikkerink zu einer der wichtigsten Widerstandsfiguren in der Region. Seine Wohnung in der Patrimoniumstraat wurde 1942 zum zentralen Knotenpunkt für Widerstandsaktivitäten. Zusammen mit unter anderem „Tante Riek“ aus Winterswijk gründete er hier die Landelijke Organisatie voor Hulp aan Onderduikers (LO – Nationale Organisation für Hilfe für Untergetauchte).
Aalten beherbergte während des Krieges die größte Anzahl an Untergetauchten in den Niederlanden. Zu einem bestimmten Zeitpunkt hielten sich 2.500 Untergetauchte in der Gemeinde auf, bei einer Einwohnerzahl von nur 13.400. Wikkerink fungierte als Bezirksleiter der LO und koordinierte die Aufnahme verschiedener Gruppen:
- Entkommene Kriegsgefangene
- Abgeschossene alliierte Piloten (die über Belgien nach England geschmuggelt wurden)
- Jüdische Untergetauchte
- Niederländer, die sich weigerten, für die deutschen Besatzer zu arbeiten
Die LO organisierte Verstecke, Lebensmittelmarken und logistische Unterstützung. Meist gaben Bauern den Untergetauchten Unterschlupf, unterstützt durch die Hilfe und den Mut Wikkerinks.
Eine bekannte Geschichte aus dieser Zeit betrifft das jüdische Baby Willem Herfstink, den Sohn des Aaltener Rabbiners Jedwab. Das Ehepaar hielt sich in Lintelo versteckt, aber der kleine Junge konnte dort nicht bleiben. Mit dem Wissen von „Ome Jan“ wurde das Kind als Findelkind vor seinem Haus ausgesetzt. Dieser inszenierte Fund führte dazu, dass Willem bei der Familie Wikkerink aufgenommen werden konnte.
Verhaftung und Befreiung
Am 15. Oktober 1944 wurde Wikkerink zusammen mit zwei Untergetauchten in seinem eigenen Haus von den Deutschen festgenommen. Er wurde in der Marechaussee-Kaserne am Ringweg inhaftiert. Noch am selben Nachmittag wurde er von der Widerstandsgruppe (Knokploeg) Aalten befreit und tauchte bei einem Bauern in Vragender unter. Zwei Tage später ließen die Besatzer ihren Zorn am Haus des „Terroristen“ aus. Sie warfen Handgranaten hinein, wodurch ein Feuer ausbrach. Der Feuerwehr gelang es jedoch, den Schaden zu begrenzen.
Anerkennung und Auszeichnungen
Nach der Befreiung besuchte Königin Wilhelmina am 24. Oktober 1945 das Ehepaar Wikkerink in Aalten. Sie sagte zu seinem Vater die Worte: „Sie haben einen tapferen Sohn“.
Wikkerink erhielt verschiedene Auszeichnungen für seine Widerstandsarbeit:
- Ritterorden in den Niederlanden
- Ehrenmedaille des französischen Präsidenten Charles de Gaulle
- Ehrenmedaille des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower
Am 29. Januar 1978 wurden Hendrik Jan Wikkerink und seine Frau Dela Gesina von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ für ihre Hilfe für jüdische Untergetauchte anerkannt.
Nach dem Krieg
Nach der Befreiung bekleidete Wikkerink politische Ämter in Aalten. Er wurde Beigeordneter und stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde. Sein respektvolles Auftreten und seine tiefe Überzeugung von Werten machten ihn zu einer unangefochtenen Leitfigur, auch in der Nachkriegszeit. Am 30. März 1988 wurde eine Bronzebüste von ihm durch seine älteste Tochter Engelina ter Horst-Wikkerink enthüllt. Diese Büste befindet sich in der Halle des Nationalen Untertauchermuseums (Nationaal Onderduikmuseum) in Aalten.
Hendrik Jan Wikkerink starb am 18. Januar 1981 in Aalten und liegt auf dem Friedhof Berkenhove begraben.







