Untertauchen während des Zweiten Weltkriegs
Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Niederlande zu einem Land der verborgenen Leben. Schätzungsweise über 300.000 Menschen fanden einen Unterschlupf, um dem Terror der deutschen Besatzer zu entkommen. Das Phänomen des „Untertauchens“ war kein Einzelfall, sondern eine großangelegte logistische Operation des Widerstands, die Leben rettete und den Besatzern trotzte.
Was bedeutet Untertauchen?
Untertauchen heißt, sich den Behörden zu entziehen, indem man sich an einem geheimen Ort versteckt. Zwischen 1940 und 1945 war dies für viele Gruppen der einzige Weg zum Überleben:
- Jüdische Mitbürger: Um der Deportation in die Vernichtungslager zu entgehen.
- Junge Männer: Die dem Arbeitseinsatz (Zwangsarbeit) entgehen wollten.
- Widerstandskämpfer: Die aufgrund ihrer Aktivitäten vom Sicherheitsdienst (SD) gesucht wurden.
- Alliierte Piloten: Die über besetztem Gebiet abgeschossen worden waren.

Die Untergetauchten Bernard Janssen aus Doesburg (links) und Bernard van Eerden von der Weversborg

Helena Kuipers-Rietberg (Tante Riek), Mitbegründer der LO
Die unsichtbare Organisation: Logistik des Widerstands
Hinter der Haustür jedes Verstecks verbarg sich eine gewaltige, klandestine Organisation. Die Landelijke Organisatie voor Hulp aan Onderduikers (LO) bildete das Rückgrat dieses Netzwerks. Ohne eine straffe Logistik wäre das Untertauchen unmöglich gewesen, da jeder Untergetauchte in einem Land, das unter Knappheit und Rationierung litt, tägliche Grundbedürfnisse hatte.
- Ernährung und Verteilung: Da Untergetauchte offiziell nicht existierten, hatten sie keinen Anspruch auf Lebensmittelmarken. Der Widerstand, einschließlich der Landelijke Knokploegen (LKP), verübte Überfälle auf Verteilungsstellen, um die benötigten Bezugsscheine, Stammkarten und Beiblätter zu beschaffen.
- Identität und Fälschung: Ein gefälschter Ausweis war bei Kontrollen oder einer Razzia lebenswichtig. Die Persoonsbewijzencentrale (PBC) lieferte Zehntausende hochwertiger Fälschungen, um Untergetauchten eine neue, sichere Identität zu geben.
- Finanzierung: Die enormen Kosten für den Lebensunterhalt wurden durch den Nationaal Steunfonds (NSF) gedeckt, der oft als „Bankier des Widerstands“ bezeichnet wurde.
Das Untertaucherdorf Aalten
Obwohl das Untertauchen überall in den Niederlanden stattfand – von den Städten bis hin zu den ländlichen Provinzen –, nimmt das Dorf Aalten im Achterhoek einen besonderen Platz ein. Als Grenzort war die Situation hier besonders komplex. Seit Generationen waren Familien auf beiden Seiten der Grenze sozial und wirtschaftlich eng verflochten. Mit der Besatzung wandelte sich die Grenze plötzlich von einer vertrauten Verbindungslinie zu einer scharfen Bruchlinie. Tiefe persönliche Dilemmata entstanden: Menschen wurden plötzlich in die Rollen von „Besatzer“ oder „Feind“ gedrängt.
Trotz dieser Spannungen zeigte die Gemeinschaft eine enorme Widerstandskraft. Aalten beherbergte prozentual die meisten Untergetauchten der Niederlande (etwa 2.500 bei 13.000 Einwohnern) und bot zudem etwa 500 Evakuierten aus Scheveningen Unterschlupf. Die Anwesenheit tausender zusätzlicher Menschen war eine gewaltige Herausforderung, die die gesamte Gemeinschaft zwang, schwierige Entscheidungen zu treffen.

Eingang zum Versteck Markt 12, Aalten

Nationaal Onderduikmuseum, Aalten
Das Gebäude Markt 12
Das Herzstück des Nationalen Untertauchmuseums ist das Gebäude am Markt 12 in Aalten. Gerade diese Adresse verdeutlicht die bizarre Realität des Lebens während der Besatzungszeit. Während die Familie Kempink dort mit zwei kleinen Kindern wohnte und auf dem Dachboden Menschen versteckte, wurde das Vorderzimmer als Büro für den deutschen Ortskommandanten beschlagnahmt. Gleichzeitig diente der Gewölbekeller bei Bombardierungen als Schutzraum für die gesamte Nachbarschaft.
An diesem authentischen Erinnerungsort ist die Geschichte noch buchstäblich von den Wänden abzulesen, und die ursprünglichen Verstecke sind dort noch greifbar vorhanden.
Das Untertauchen in kleinen Geschichten
Das Nationale Untertauchmuseum erzählt die große Geschichte des Untertauchens und des Widerstands anhand kleiner, persönlicher Schicksale. Einfache Antworten auf eine komplexe Historie werden vermieden; die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Krieges ist notwendig, um zu verstehen, warum gewöhnliche Menschen in den Niederlanden und Deutschland bestimmte Entscheidungen trafen.
Durch das Bewahren und Erforschen dieser Geschichte wird die Verbindung zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit von heute hergestellt. Besucher jeden Alters können im Museum selbst auf Spurensuche gehen, um mehr über diese verborgenen Geschichten, die Auswirkungen einer Razzia auf eine Gemeinschaft und die Lehren zu erfahren, die wir bis heute daraus ziehen können.

Luftschutzkeller Markt 12 in Aalten






