Max van Dam (1910–1943)
Max van Dam war ein außergewöhnliches Talent, dessen vielversprechende Karriere durch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs gewaltsam unterbrochen wurde. Als jüdischer Künstler aus der Region Achterhoek hinterließ er ein beeindruckendes Werk, das selbst unter den erbärmlichsten Bedingungen im Vernichtungslager Sobibor noch wuchs.
Großes Zeichen- und Maltalent
Max van Dam wurde 1910 in Winterswijk geboren. Er wuchs in einer gesellschaftlich engagierten, „roten“ Familie auf, in der viel Raum für Kunst, Literatur und Diskussionen war. Schon früh wurde sein Maltalent von Jaap Hemelrijk, einem engen Freund der Familie, entdeckt. Dank dessen Vermittlung erhielt Max die Chance, seine Gabe weiterzuentwickeln.
Er absolvierte prestigeträchtige Ausbildungen in Amsterdam und Antwerpen. Max erwies sich als vielseitiger Künstler; obwohl er mit Porträts begann, widmete er sich später auch Stillleben und Landschaften. Seine Inspiration fand er überall: in seiner direkten Umgebung in den Niederlanden, aber auch auf Reisen durch Italien und Frankreich. 1938 erreichte er einen Höhepunkt in seiner jungen Karriere mit dem Gewinn des renommierten Prix de Rome.
„Von jüdischem Blute“
Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebte und arbeitete Max in einem Atelier in Amsterdam. 1941 wurde er offiziell als „von jüdischem Blute“ registriert. Von diesem Moment an wurde seine Bewegungsfreiheit durch das große schwarze „J“ in seinem Personalausweis eingeschränkt.
Max beschloss, in Blaricum unterzutauchen, doch der Drang nach Freiheit war groß. Zusammen mit der Frau und der Tochter eines befreundeten Ehepaares versuchte er, über Frankreich in die neutrale Schweiz zu fliehen. Kurz vor der Grenze ging es schief: Bei einer Kontrolle wurde entdeckt, dass Max Jude war. Er wurde festgenommen und über das französische Lager Drancy in das Vernichtungslager Sobibor deportiert.
„Maler, komm ‘raus“
In Sobibor wurde Max mit der harten Realität der Vernichtungsmaschinerie konfrontiert, doch seine Leidenschaft für die Kunst erwies sich als seine vorübergehende Rettung. Er erhielt den Auftrag, Gemälde und Porträts für die SS-Wachen anzufertigen. Während Tausende andere direkt in die Gaskammern geschickt wurden, konnte Max sein Leben um einige Monate verlängern, indem er im Auftrag der Täter malte.
Ein erschütternder Moment ereignete sich kurz vor seinem Tod. Max stand in einer Reihe von 72 niederländischen Männern, die nach einem entdeckten Aufstandsplan hingerichtet werden sollten. Als der berüchtigte SS-Kommandant Karl Frenzel Max in der Reihe sah, schrie er: „Maler, komm ‘raus!“. Frenzel holte ihn aus der Schlange vor der Gaskammer, vermutlich nur, weil sein eigenes Porträt noch nicht fertiggestellt war.
Das Ende in Sobibor
Der Aufschub war leider nur von kurzer Dauer. Um den 20. September 1943, nur wenige Wochen vor dem großen, erfolgreichen Aufstand in Sobibor am 14. Oktober, wurde Max van Dam dennoch ermordet. Er wurde nur 33 Jahre alt.
Max van Dam bleibt als ein Künstler in Erinnerung, der bis zum allerletzten Moment an seiner Kreativität festhielt. Seine Geschichte ist ein kraftvolles Beispiel für menschliche Würde und Talent in einer Zeit beispielloser Dunkelheit.

Max van Dam, Selbstporträt

Max van Dam porträtiert Hannelore le Coultre, ca. 1940. Quelle: Jüdisches Museum, Amsterdam






