Ausstellung “Warum schreibst du mir nicht”

“Ich denke, dass ich dieser Tage Urlaub machen werde. Du wirst später wieder von mir hören” schreibt Wolfgang Maas am 5. November 1942 an seine Verlobte Thea Windmüller, die sich in Friesland versteckt hält. Mit dieser Mitteilung läßt Wolfgang sie wissen, dass er jetzt auch untertauchen wird. Anstelle von ’10.000 Küße auf deinen lieben Mund’ unterschreibt er ab jetzt mit ‘Herzliche Grüße und ein Kuß von Onkel Wim’.

Die niederländisch-deutsche Wanderausstellung “Waarom schrijf je me niet” / “Warum schreibst du mir nicht” handelt vom Leben von fünf Menschen vor und während des Zweiten Weltkriegs: Wanda Verduin, Jules Schelvis, Nico Peeters, Wolfgang Maas und Thea Windmüller – eine jüdische Jugendliche, ein jüdischer junger Mann, ein Widerstandskämpfer, ein Flüchtling aus Deutschland und seine Freundin. Wir folgen ihnen durch Deutschland, die Niederlande, die Lager und Ghettos in Polen bis zu ihrem Tod oder der Befreiung. Die Ausstellung verdeutlicht, wie ihnen ihre Privatsphäre und ihre Identität genommen wurde, dass sie keine Ahnung hatten, was sie erwarten würde und keine Chance hatten, ihrem Schicksal zu entkommen.

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Nico Peeters
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Die Lebensgeschichten der Hauptpersonen werden in kurzen Filmen durch vier Erzähler aufgezeigt. Sie gehen dabei auch darauf ein, welche Bedeutung die Geschichten für uns heute haben.

Am Ende der Ausstellung steht die Beantwortung aktueller Fragen über Freiheit, Kommunikation, Meinungsfreiheit, Privatsphäre damals und Privatsphäre heute im Internet, Widerstand, Flüchtlinge. Das sind keine einfachen Fragen, und es gibt keine vorgefertigten Antworten.

Das deutsch-niederländische Konzept zu dieser Ausstellung wurde von der Lotty Veffer Foundation in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Untertauchermuseum Markt 12 in Aalten und dem Zentrum für Niederlande-Studien in Münster realisiert und durch Unterstützung von Interreg, der Provinz Gelderland, dem vfonds und der Mondriaan-Stiftung ermöglicht. Siehe auch www.pudv.nl.

Sie riskieren ihr Leben für mich

Einer der Erzähler ist der deutsche Schauspieler Rauand Taleb. Als fünfjähriger Junge flüchtete er mit seiner Familie nach Deutschland. Er erzählt über den jungen Wolfgang Maas, einem jüdischen Jungen, der als 16-Jähriger 1936 von Gelsenkirchen aus in die Niederlande flüchtet, und zwar nach Winterswijk, direkt hinter der Grenze. Einige Jahre später verliebt er sich in ein jüdisches Mädchen, Thea Windmüller. Was als eine schöne, romantische Geschichte beginnt, endet schrecklich. Gemeinsam erleben sie die Judenverfolgung in den Niederlanden, die sie letztendlich zwingt, unter zu tauchen.

Thea schreibt 1943 in ihrem Tagebuch über die Widerstandsbewegung: “Wie gut sind diese Menschen, bei denen ich jetzt bin! Sie riskieren ihr Leben für mich. Welche Strafe erwartet die Menschen, die uns beherbergen? Die Todesstrafe? Die Kugel?”

Wir können uns kaum vorstellen, was zwischen 1933 und 1945 geschehen ist, wie so etwas geschehen konnte. Hätten wir unser eigenes Leben und das unserer Nächsten in die Waagschale geworfen? Was die Ausstellung erreichen möchte, ist, dass wir auf jeden Fall über die Entscheidungen nachdenken, die wir jetzt treffen, wenn es um Freiheit, Demokratie und Mitmenschlichkeit geht.

Die Ausstellung läuft vom 27. Januar bis 21. Mai 2018.

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